FRIEDRICH GREIL

NHK RADIO JAPAN



** JAPAN. Death of Prof. Friedrich Greil, the very first presenter of 
Radio Tokyo's German service from 1937-1993. Reader of the Japanese
Capitulation announcement of Emperator Hirohito in August 1945 via
Radio Tokyo's shortwaves dies on January 3rd, 2003.


Today I heard sad news. Some Japanese newspaper said Prof. Friedrich
Greil is dead. He was 100...and one month... Newspaper also said what
he died in Japan (Gaku Iwata, Japan, Japan Premium Jan 6...)

Die entsprechende Nachricht kann auch heute auf dem Webserver von
Radio Japans deutschem Programm
http://cgi2.nhk.or.jp/nhkworld/german/body.shtml
in den Nachrichten (9. Minute) gehoert werden. Er ist am 3. Januar
gestorben (Thorsten Koch, Germany, A-DX Jan 6...)

Frau Kodaira schrieb mir vor etwa fuenf Stunden:
"Ja, das stimmt leider, am 3. Januar 2003 ist Friedrich Greil
friedlich fuer immer eingeschlafen. Er war sich "seines Abgangs"
bewusst gewesen. In den Tagen zuvor hat er mehrmals gesagt, dass es
nun genuege und hat sich bei allen um ihn herum immer wieder fuer ihre
Pflege, Muehe und Hilfsbereitschaft bedankt.

Am kommenden Sonntag [Jan 12] wird das Japanorama ihm gewidmet sein.
Ein vollendetes Leben, welch ein Glueck fuer ihn. Liebe Gruesse, Uta
Kodaira, Japan, NHK World R Japan German service." (via Thomas
Kubaczewski-D, BC-DX Jan 8...)

Zu dem gebuertigen Halberstaedter Prof. Friedrich Greil - genannt

"Die deutsche Stimme aus Japan" -

hatte ich in den letzten Tagen recherchiert und haenge diese Biografie
der Email an alle Listenteilnehmer mit an. Beste Gruesse aus dem
Ostharz, Walter Grube

Die deutsche Stimme von R Tokyo.

Halberstaedter Friedrich Greil feierte in JPN seinen 100. Geburtstag.

1902 als Sohn eines Reichsbahnbeamten geboren, zog er mit seiner
Familie nach Quedlinburg, weil der Vater an der dortigen Bank seinen
Dienst aufnahm. Der Junge entdeckte, dass er das Alphabet gelernt
hatte, sehr frueh seine Liebe zu Buechern, die sein Leben lang nicht
nachliess. Als Zehnjaehriger kannte er bereits alle Buchhandlungen und
auch die Leihbibliothek Gebecke in Halberstadts Nachbarstadt. Als
13jaehriger hatte er nicht nur Karl Mays gesamte Werke gelesen,
sondern auch das 20baendige wissenschaftliche Werk "Koenig der
Germanen" des damals beliebten schriftstellernden Historikers Fritz
Dahn. Schon bald widmete er sich den Klassikern, las Goethe und
Schillers Werke mit Begeisterung.

Bilder gemalt.
Nach der Mittelschule nahm Friedrich Greil erst Unterricht an der
Quedlinburger Handelsschule, dann nahm er eine Stellung bei Beck & Co.
an. In seiner Freizeit besuchte er viele Theatervorstellungen in
Berlin. Ausserdem erlernte er nebenbei Sprechtechnik beim beruehmten
Mentor Ferdinand Gregori.

Weiterhin nahm er Verbindungen zur Kunstakademie und
Kunstgewerbeschule in Dresden auf, versuchte sich in Oelmalerei und
Grafik, wandte sich dann letzterer ganz zu und schuf vor allem
Bildnisse bekannter Persoenlichkeiten.

Theaterfreund.
Weitere Theaterbesuche brachten dem jungen Mann Verbindungen mit
Schauspielern und Autoren wie Alfred Bassermann, dem erfolgreichen
Buehnenbildner dieser Zeit, sowie zu den Dichtern Wilhelm von Scholz
und Klabund.

Japan-Reise.
1925 und 1926 unternahm Greil Reisen durch zahlreiche europaeische
Laender und beschaeftigte sich mit deren Kunst, Kultur und
Architektur. 1927 blieb er in Quedlinburg und betrieb literarische
Studien. Zu dieser Zeit wurde er zu einem Besuch Japans angeregt und
wandte sich an das Deutsch-Japanische Kulturinstitut. Er bekam ein
Empfehlungsschreiben, mit dem er sich ins ferne Asien begab. Dort
begann fuer ihn, der eigentlich nur fuer "ein paar Monate" in das
asiatische Inselreich wollte, um dort Literatur und Kunst zu
studieren, ein neuer Lebensabschnitt, von dem er damals nicht ahnen
konnte, dass er viel mehr als ein halbes Jahrhundert andauern wuerde.
Seit er im Oktober 1928 im Hafen von Shiminoseki in Sued-JPN das Land
betreten hat, ist er dort geblieben.

Bei Radio Tokyo.
Friedrich Greil arbeitete fortan als Lehrer fuer deutsche Sprache an
der medizinischen Hochschule Tokio. Dort lernte er die Studentin
Masako Sasaki kennen, die mit dem Kaiserhaus verwandt ist und spaeter
Aerztin wurde. Er heiratete sie. Mit seinem Freund Hideichiro Yamakawa
gruendete er 1937 die erste deutsche Abteilung der japanischen
Rundfunkgesellschaft R Japan - NHK
World. Am ersten Juni 1935 hatte Radio Tokyo mit einer Sendezeit von
einer Stunde taeglich den Ueberseedienst nach Nordamerika und Hawaii
in Englisch und Japanisch aufgenommen.

Nach Probesendungen im April und Mai wurden um den 20. Juni 1937
Sendungen in deutscher Sprache dreimal woechentlich und noch im
gleichen Jahr taeglich ausgestrahlt.

Greil war von der Stunde Null an dabei und wurde einer der
bekanntesten deutschen Kurzwellensprecher der Welt. Seine deutsch
gesprochenen Nachrichten konnten ueber das Kurzwellenprogramm auch in
Europa empfangen werden.

Nach dem Krieg.
Nach der japanischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg im August 1945
verstummte der Auslandsrundfunk. Friedrich Greil verlas auf Verlangen
der Amerikaner die japanische Kapitulationserklaerung bei Radio Tokyo
auch in deutscher Sprache.

Im Februar 1952 wurde der Auslandsdienst unter dem Namen Radio Japan
wieder aufgenommen. Regelmaessige deutschsprachige Sendungen begannen
zwei Jahre spaeter. Anfangs bestanden sie aus einer bunten Mischung
fernoestlicher Exotik mit Hochtechnologieinformationen garniert. Es
war fuer die Kurzwellenhoerer eine echte [technische] Herausforderung,
die Stimme aus Japan zu hoeren.

Bis 1993 im Dienst.
Seit der ersten Sendung bis in die 80er Jahre war Professor Greil
Ansager und Moderator des "Tokyo Scherzo", ein Kaleidoskop aus dem
Alltag in Japan. Es wurde mehr als tausend Mal gesendet.

Und als er 1993 aus dem Dienst vom Radio ausschied, blieb Greil,
weiter in Japan lebend, der Hoererschaft und der Redaktion
freundschaftlich verbunden. Prof. Greil schrieb auch eine 50teilige
Sendereihe "Deutschland und Japan" und verfasste das Buch "Die
Begegnung - 25 Jahre Deutschland und 50 Jahre Japan", seine
biografischen Memoiren. Von ihm stammen auch die Buecher "Bildnisse
1928" mit eigenen Grafiken sowie "Traum und Wirklichkeit" mit
Aufsaetzen japanischer Studenten.

Hoch dekoriert.
Er hatte von 1950 bis 1978 einen Lehrstuhl an der Hitotsubashi- und an
der Chiba-Universitaet. Fuer seine Verdienste bekam der gebuertige
Halberstaedter im Kaiserpalast von Kaiser Hiroito mehrere Orden und
Ehrenzeichen. Ende der 80er Jahre wurde ihm vom damaligen
Bundespraesidenten Richard von Weizsaecker das Bundesverdienstkreuz
ueberreicht.

Mehrmals besuchte Greil Europa, wo er Vortraege hielt. Er pflegte
engen Kontakt nach Deutschland, liess sich von seiner Schwester in
Bremen ueber das Geschehen in Deutschland informieren, insbesondere
Neuigkeiten aus seiner Geburtsstadt Halberstadt und aus Quedlinburg.

Am 8. Dezember 2002 feierte Prof. Greil im fernen JPN seinen 100.
Geburtstag. Am 3. Januar 2003 ist Prof. Greil in JPN verstorben.

Walter Grube, Klusstrasse 5, 38820 Halberstadt
(ADDX Jan 8 – all via BC-DX Jan 10 via DXLD)
aus http://www.worldofradio.com/dxld3006.txt

=====================================================================



Friedrich Greil im Studio Radio Japan NHK Sommer 1970




Friedrich Greil, Gerhard März vor Imperial Hotel, Tokio, 1970




Friedrich Greil mit seiner Frau Dr. med. Masako Greil-Sasaki 1969





Das japanische Gedächtnis, Friedrich Greil, "die deutsche Stimme aus Japan"